Let’s talk about it - Menopause

Warum Singen in der Peri- und Menopause besonders zählt

Es gibt Momente, in denen man singt und plötzlich merkt: Hier bin ich. Nicht auf einer Bühne, nicht für andere, einfach bei sich. Singen kann das. Es ist eine der direktesten Formen, sich selbst zu spüren, den Körper zu bewohnen, Emotionen rauszulassen, die sonst keinen Platz finden.

Und genau diese Qualität, Singen als inneres Zuhause, wird in einer Lebensphase besonders kostbar, die viele Frauen als Aufbruch, aber auch als Orientierungslosigkeit erleben: der Peri- und Menopause.

Ich selbst stehe erst am Anfang dieser Phase. Aber ich durfte viele wunderbare Frauen begleiten, in der Perimenopause, in der Menopause und in der Zeit danach. Und was ich dabei immer wieder erlebt habe: Wenn diese Frauen singen, passiert etwas. Die Stimme findet sich neu. Der Körper erinnert sich an sich selbst. Und oft, nach Wochen oder Monaten des Zweifelns, kommt ein Lächeln, das sagt: Ich bin noch da. Ich klinge nur anders. Das ist kein Verlust. Das ist Verwandlung.


Wann beginnt die Verwandlung?

Was viele nicht wissen: Diese hormonellen Einflüsse auf die Stimme beginnen nicht erst in der Menopause. Viele Sängerinnen kennen das schon lange, auch wenn sie es vielleicht nie so benannt haben. In den Tagen vor der Periode, wenn der Östrogenspiegel sinkt und Progesteron dominiert, fühlt sich die Stimme manchmal schwerer an, weniger beweglich, irgendwie nicht ganz da. Und direkt nach der Periode, wenn die Hormone wieder ansteigen, kehrt oft auch das Gefühl zurück: Die Stimme trägt wieder, die Höhe ist leichter erreichbar, alles fließt besser. Ich selbst merke den Unterschied in der Stimme kaum. Was mich aber zurückhält zu singen, sind die Schmerzen. Wenn der Körper mit Krämpfen kämpft, ist Singen das Letzte, wonach mir ist. Aber sobald dieser Moment vorbei ist, erlebe ich meine Stimme oft als besonders schön.

Der Körper spricht schon lange mit uns. Die Menopause macht diesen Dialog nur dauerhafter und lauter. Wer also das Gefühl kennt, an manchen Tagen im Monat nicht ganz bei der eigenen Stimme zu sein, hat bereits eine Ahnung davon, was in der Peri- und Menopause passiert. Nur dass es dann keine Frage von Tagen mehr ist, sondern von einer ganzen Lebensphase, die ihren eigenen Rhythmus sucht.

Was mit der Stimme passiert und warum das völlig normal ist

Viele Frauen erleben in dieser Zeit Veränderungen an ihrer Stimme, die sie verunsichern. Plötzlich klingt sie rauer. Hohe Töne, die früher selbstverständlich waren, fühlen sich plötzlich weit weg an. „Früher ging das noch! Das muss doch klappen." Das hat einen Grund. Wenn Östrogen und Progesteron sinken, verändert sich auch das Gewebe im Kehlkopf. Die Stimmlippen reagieren darauf, sie werden schwerer, speichern mehr Wasser, reagieren anders. Das erleben sehr viele Frauen so. Du bist damit nicht allein, und es ist auch kein Zeichen, dass etwas kaputt ist.

Eine Sängerin, die ich begleitete, sagte einmal zu mir: „Es fühlt sich so an, als würde meine Stimme weggehen." Sie weinte, als sie das sagte. Aber dann haben wir weitergemacht. Woche für Woche. Und irgendwann sagte sie: „Sie geht aber nicht weg. Sie wächst in eine andere Richtung." Dieser wunderbare Satz hat mich nie losgelassen.

Singen als Antwort, nicht als Flucht

Was ich von all den fantastischen Frauen gelernt habe: Singen ist eine der kraftvollsten Antworten auf genau diese Veränderungen. Nicht weil es die Uhr zurückdreht, sondern weil es der Stimme zeigt, dass sie noch gebraucht wird. Dass sie noch da ist.

Wer regelmäßig singt, trainiert sein Instrument, auch wenn sich dieses Instrument gerade im Umbau befindet. Bewusstes Atmen, das Spüren der Resonanz im Körper, das geduldige Erkunden der neuen Stimmlage, all das hilft. Nicht als Therapie, sondern als Zuwendung. Als liebevolle Aufmerksamkeit für etwas, das sich verändert und trotzdem bleibt.

Singen ist Heimkommen

Aber Singen ist noch mehr als das. Es ist ein Weg nach Hause zu sich selbst.

Ich habe Frauen erlebt, die nach jahrelanger Pause wieder angefangen haben zu singen, manchmal zögernd, manchmal fast entschuldigend. Und dann passiert etwas, das ich jedes Mal neu erlebe: Der Körper entspannt sich. Die Schultern sinken. Etwas, das lange unter der Oberfläche gedrückt hat, darf raus.

Singen löst im Körper echte Reaktionen aus. Oxytocin wird freigesetzt, das Hormon, das Vertrauen und Geborgenheit schenkt. Und auch Serotonin schüttet der Körper beim Singen aus, jenen Botenstoff, der für innere Ruhe, Ausgeglichenheit und ein stabiles Wohlgefühl sorgt. Gerade in einer Lebensphase, in der der Serotoninspiegel durch die hormonellen Veränderungen oft ins Schwanken gerät und sich in Schlafproblemen, Stimmungsschwankungen oder einem diffusen Gefühl von Unruhe zeigt, ist das kein kleines Geschenk.

Das Gefühl von Verbindung entsteht, zu sich selbst, zu anderen, zu etwas Größerem. Frauen in der Lebensmitte tragen oft sehr viel, für die Familie, den Beruf, andere. Singen gibt etwas zurück. Raum. Stimme. Resonanz, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Eine Sängerin sagte einmal nach einer Stunde zu mir: „Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so einfach nur ich war." So kann es auch sein, wenn man sich wertschätzend und mit Neugier begegnet.

Was das für dich bedeutet

Wenn du singst, ob in einem Chor, auf einer Bühne oder einfach in der Küche, tust du gerade in dieser Phase etwas Wichtiges. Du gibst deiner Stimme Raum. Deinem Körper Aufmerksamkeit. Dir selbst einen Ort, an dem du einfach sein darfst.

Die Stimme verändert sich. Das stimmt. Aber sie hört nicht auf, deine zu sein. Und je mehr du ihr begegnest, mit Neugier statt mit Angst, mit Geduld statt mit Druck, desto mehr bleibt sie ein Ort, an dem du dich zuhause fühlst.

Singen ist kein Luxus in dieser Zeit. Es ist Selbstfürsorge, Stimmgesundheit und Heimkommen.

Interessante Artikel zu diesem Thema: Fiuza, Sevillano & Lã (2023), Journal of Voice. Hamdan et al. (2018), Journal of Voice. Clift & Hancox (2001).

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