WIE WIR UNSERE ALBEN AUFGENOMMEN HABEN. EHRLICH

Es gibt Alben, die entstehen in monatelangen Studiosessions. Track für Track, Instrument für Instrument, Schicht für Schicht. Billie Eilish hat ihre frühen Songs in winzigen Segmenten aufgenommen, Phrase für Phrase, manchmal Silbe für Silbe. Das klingt gut. Das klingt sehr gut.

Wir machen das anders.

WIR HABEN BEIDE ALBEN JEWEILS AN EINEM HALBEN TAG AUFGENOMMEN.

Das klingt nach Sparmaßnahme. Stimmt, weil es auch eine ist. Aber es ist auch eine Entscheidung.

Wir spielen gleichzeitig, und die Jungs sitzen alle im selben Raum. Manuel am Piano, Maurice am Bass, Max am Schlagzeug. Ich bin mit meinem Mikrofon gesondert aufgestellt, so dass auf meiner Tonspur die anderen Instrumente nicht drauf sind und wir noch eine kleine Möglichkeit haben, den Sound anzupassen. Aber so, dass wir uns alle noch sehen. Ansonsten keine Trennscheiben, kein getrenntes Einspielen, keine Headphones-only-Kommunikation. Wir sehen uns an. Wir reagieren aufeinander. Und wir spielen.

Jeden Song maximal dreimal durch. Dann hören wir rein und entscheiden: Das war es. Oder: Nochmal oder nicht auf dem Album.

Es gibt keine halben Takes. Kein „Wir nehmen noch mal die Bridge auf" oder „Die zweite Strophe war besser, können wir die rüberkopieren?" Wenn ein Durchlauf gut war, nehmen wir ihn. Wenn nicht, spielen wir ihn nochmal, ganz. Weil wir glauben, dass Musik zusammengehört. Dass ein Song eine Einheit ist, kein Puzzle aus besten Momenten.

Nette Zungen behaupten, wir machen das, weil wir es können. Böse Zungen, weil wir kein Geld haben. Und wie gesagt, ich denke beides stimmt. :-)

DAS POSITIVE AN DIESER ART DER AUFNAHME IST: DIESE ENERGIE.

Die, die entsteht, wenn vier Menschen gleichzeitig im selben Raum spielen und aufeinander hören. Wenn Maurice auf einen Blick von Manuel reagiert. Wenn Max einen Akzent setzt, den niemand vorher so geplant hat, und ich darauf eingehe. Diese kleinen Momente, die man nicht proben kann, weil sie nur im echten Spielen entstehen.

Die hört man auf den Aufnahmen. So klingen wir auch live.

Natürlich wäre es manchmal schön, mehr Zeit zu haben. Einen Ton nochmal einzusingen, der nicht ganz saß. Eine Passage zu wiederholen, die ich beim dritten Durchlauf endlich so gesungen habe, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Aber dann wäre die Energie der ersten beiden Durchläufe weg. Und oft ist genau dieser erste Durchlauf der lebendige.

Vielleicht ist dieser Perfektionismusgedanke auch etwas, das Künstlerinnen im Weg steht, etwas wirklich zu veröffentlichen. Darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben.

Wir jedenfalls sind eine unabhängige Band, die ihre Musik selbst finanziert. Studiozeit kostet. Ein halber Tag ist das, was wir uns leisten konnten und wollten. Und wir haben beschlossen, daraus keine Einschränkung zu machen, sondern einen Ansatz. :-)

Denn am Ende höre ich unsere Alben und ich höre uns. Nicht eine polierte Version von uns. Uns. An diesem Tag, in diesem Raum, mit dieser Energie.

Das ist genau das, was mir daran gefällt.

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WENN DU SINGST, ABER NICHT ANKOMMST