WAS MICH MEINE BAND ÜBER MUSIK GELEHRT HAT

Wenn ich ehrlich bin, habe ich das meiste, was ich über Musik weiß, nicht im Unterricht gelernt. Ich habe es von Manuel, Maurice und Max gelernt. In Proben, auf Bühnen, auf langen Autofahrten und in Momenten, in denen ich einfach zugehört habe. Nicht als Schülerin. Als jemand, der mittendrin war und aufgesaugt hat, was um sie herum passiert ist.

Das fing mit den Grundlagen an.

Die Jungs haben mir erklärt, was eine Jazzform ist. Und dass ich jemandem das Solo klaue, wenn ich einfach weitermache, ohne zu merken, dass gerade sein Moment ist. Das klingt simpel. War es nicht. Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas wie einen Solo-Chorus gibt, dass jemand gerade seinen Raum hat, und dass ich ihm diesen Raum nehme, wenn ich weitermache wie bisher. Sie haben es mir ruhig erklärt, gezeigt, ohne Vorwurf, ohne dass ich mich dumm gefühlt habe. Ich habe es nie vergessen.

Sie haben mir immer wieder neue Stücke hingelegt. Üb das mal. Hier, das ist schön. Manchmal war es ein Standard, manchmal etwas völlig Unerwartetes. Durch dieses Vorlegen haben sie meinen Musikgeschmack geformt, ohne dass ich es gemerkt habe. Ich dachte, ich entscheide selbst, was ich mag. Aber eigentlich haben sie meine Ohren miterzogen. Leise, über Jahre.

ICH MUSSTE LERNEN, ODD METERS ZU SPÜREN.

Besonders in unserem Disney-Programm, das wir schon seit einiger Zeit spielen, hat mich das gefordert. Die Jungs hatten nicht immer Lust, alles im Original-Feel zu spielen. Also haben sie es verändert, verschoben, neu gedacht. Und ich musste mit. Mitzählen kann ich nicht. Das habe ich dort endgültig verstanden. Ich musste spüren, wo der Groove sitzt, auch wenn er sich verschoben hat. Andere Taktarten nicht zählen, sondern fühlen. Das ist ein Unterschied, der alles verändert.

Ich konnte und kann alles fragen. Wirklich alles. Was ist das für ein Akkord? Warum spielt ihr das so? Kann ich das auch anders singen? Ich habe jedes Mal eine Antwort bekommen, ohne dass jemand die Augen verdreht hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Und ich bin dankbar dafür, jeden Tag.

ICH HABE GELERNT, DASS IN EINER BAND SPIELEN BEDEUTET, GEMEINSAM ZU WISSEN, WOHIN ES GEHT.

Das klingt nach Kontrolle. Es ist das Gegenteil. Es ist Vertrauen. Vertrauen in einen gemeinsamen Plan, der sich im besten Fall so natürlich anfühlt, dass das Publikum gar nicht merkt, dass da einer ist. Dass vier Menschen auf einer Bühne nicht einfach spielen, was sie wollen, sondern aufeinander hören, aufeinander reagieren, einander Raum lassen.

Ich habe gelernt, Platz zu lassen. Nicht wegzutreten, aber auch nicht alles zu füllen. Es gibt schönere Momente als die, in denen man selbst im Mittelpunkt steht. Manchmal ist es das Pianosolo, das einen Abend trägt. Manchmal ist es eine Basslinie, die alles zusammenhält, still und unbemerkt von den meisten im Raum, aber spürbar für alle. Zuzuhören und zu staunen, auch nach Jahren, das ist etwas, das ich von ihnen gelernt habe.

ICH HABE GELERNT, DASS ICH GENUG BIN.

Das klingt nach einem Satz aus einem Selbsthilfebuch. :-) Ich meine es ganz konkret.

Es gibt Momente auf der Bühne, in denen man spürt, dass die anderen sich freuen, mit einem zusammen zu spielen. Wirklich. Dass die Energie stimmt, dass sie auf einen reagieren, dass sie einem Raum lassen zu glänzen. Das gibt eine Sicherheit, die kein Unterricht der Welt ersetzen kann. Man kann viel lernen. Aber das Gefühl, dass jemand neben dir steht und sagt, mit dir will ich spielen, das ist etwas anderes.

UND DANN IST DA NOCH ETWAS, DAS SCHWERER ZU BESCHREIBEN IST.

Wir sehen uns nicht jeden Tag. Manchmal vergehen Wochen. Jeder hat sein Leben, seine Projekte, seine Welt. Aber da ist etwas, das bleibt, auch wenn wir uns nicht sehen. Eine Art Grundton. Die Gewissheit, dass sie da sind. Nicht immer sichtbar, nicht immer greifbar, aber vorhanden. Wenn ich auf der Bühne stehe und mich öffne, dann kann ich das, weil ich weiß, dass hinter mir drei Menschen stehen, die mich auffangen, wenn ich weiter springe als geplant. Die mitgehen, wenn etwas Unerwartetes passiert. Die zuhören und reagieren.

Das ist Freundschaft. Nicht die Art, die laut ist. Die Art, die trägt.

Gespannt bin ich, welche Erkenntnisse noch kommen. :-)

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WIE WIR UNSERE ALBEN AUFGENOMMEN HABEN. EHRLICH