10 DINGE, DIE DU IN EINEM JAZZKONZERT BESSER LÄSST

Wir freuen uns, wenn du kommst. Wirklich unfassbar arg. Ohne dich kein Publikum und ohne Publikum kein Konzert. Und falls wir dein erster Berührungspunkt mit Jazzclubs sind, hier ein paar nützliche Tipps. :-)

1. AUF EINS UND DREI KLATSCHEN

Im Jazz liegt der Groove auf Zwei und Vier. Immer. Wer auf Eins und Drei klatscht, klingt, als würde er gegen den Strom schwimmen, und zieht dabei alle mit. Falls du dir nicht sicher bist, wo du gerade bist: lieber gar nicht klatschen als falsch klatschen. Oder einfach kurz zu jemandem rüberschauen, der es weiß. Wir urteilen nicht. Wir versuchen nur, nicht aus dem Takt zu kommen. Wer den unterschied nicht kennt und ihn erleben will, darf gerne mal nach einem Konzert oder in der Pause zu uns kommen, wir zeigen dir gern den Effekt. ;-)

2. SCHAU MAL KURZ IN DEIN GESICHT. SIEHST DU GENERVT AUS,

aber meinst es gar nicht so? Ein zufriedenes „Mhh" zur richtigen Zeit, ein leises „Yeah" nach einem Solo, das dich erwischt hat, das ist kein Stören. Das ist Kommunizieren. Unsere Musik ist kein Monolog. Wenn etwas dich trifft, lass es raus. Wir Musiker hören das. Wir spüren, was ankommt und was nicht. Und es verändert den Abend, für alle.

3. VOR DER ZUGABE GEHEN

Ein Jazzset baut auf. Was am Anfang geschieht, ist Einstimmung. Was nach einer Stunde passiert, wenn alle warm sind, wenn die Band aufeinander hört wie eine einzige Einheit, das ist der eigentliche Abend. Wer früh geht, verpasst den besten Teil. Es ist ein bisschen so, als würde man ein Buch zuklappen, wenn noch drei Kapitel fehlen, und sich dann wundern, warum die Geschichte nicht aufgeht.

4. WÄHREND DES BASSSOLOS REDEN

Das Basssolo ist der am meisten unterschätzte Moment eines jeden Konzertabends. Maurice steht da vorne, gibt alles, und das Gespräch, das du gerade führst, wird danach noch genauso da sein. Versprochen. Neunzig Sekunden Stille tun niemandem weh. Und was in diesen neunzig Sekunden passiert, könnte dich überraschen.

5. DEN BARKEEPER VERGESSEN

Die Bar ist Teil des Erlebnisses. Der Barkeeper ist Teil des Teams. Er ist den ganzen Abend da, er sorgt dafür, dass du etwas in der Hand hast, während wir spielen, und er lächelt auch noch beim dritten Campari. Ein bisschen Wertschätzung dafür ist das Mindeste. Und Trinkgeld ist eine Sprache, die jeder versteht.

6. DEM TONTECHNIKER ERKLÄREN, WAS LAUTER SEIN SOLLTE

Der Tontechniker weiß, was er tut. Er hat den Raum gehört, bevor du da warst, er kennt die Frequenzen, er hat den Soundcheck gemacht, während du noch nicht mal wusstest, dass heute Abend ein Konzert stattfindet. Ohne ihn hörst du gar nichts. Also gib auch ihm etwas Liebe. Und lass ihn seinen Job machen.

7. „KÖNNT IHR WAS SPIELEN, DAS ICH KENNE?"

Wir spielen gerade etwas, das es wert ist, gekannt zu werden! Das ist gewissermaßen der ganze Punkt. :-) Jazz lebt davon, dass er dich zu etwas hinführt, das du noch nicht kennst, und dir zeigt, dass du es eigentlich schon immer gemocht hättest. Lass das zu.

8. ERWARTEN, DASS ES KLINGT WIE AUF UNSEREN ALBEN

Jazz ist live, improvisiert und jede Nacht anders. Was du heute Abend hörst, wird es so nie wieder geben. Das ist kein Fehler im System. Das ist das System. Kein Algorithmus der Welt kann entscheiden, was in diesem Raum, mit diesem Publikum, in diesem Moment passiert. Das ist das Privileg, live dabei zu sein.

9. DAS GANZE KONZERT FILMEN

Du hältst den Moment fest und verpasst ihn gleichzeitig. Ein kurzer Clip für die Story ist völlig in Ordnung. Wir freuen uns sogar darüber und wenn du uns noch markierst (@ontoband) und uns damit mehr Reichweite verschaffst, lieben wir dich dafür. Aber dann leg das Telefon weg. Was durch ein Handydisplay passiert, ist nicht dasselbe wie was durch dich hindurchgeht, wenn du einfach zuhörst. Auch für uns nicht. Und ein kleiner kostenloser Service von mir: Es ist rechtlich auch gar nicht erlaubt, ohne die Zustimmung der Künstler:innen und Veranstalter:innen ein komplettes Werk festzuhalten. (§ 53 Abs. 7 UrhG)

10. ES ALS HINTERGRUNDMUSIK BEHANDELN

Wir haben für diese neunzig Minuten zusammen, wenn nicht jede:r einzelne von uns, mindestens zehntausend Stunden geübt. Nicht damit du schweigst oder reglos dasitzt. Sondern damit du wirklich da bist. Falls dir das schwerfällt, nimm es als Übung in Achtsamkeit. Oder als eine seltene Gelegenheit, etwas zu hören, das du nicht einordnen kannst, und trotzdem, oder gerade deshalb, davon bewegt zu werden. Das Unbekannte klingt manchmal am schönsten, wenn man aufhört, es einzusortieren.

Wir sehen uns auf der Bühne. <3

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HEISER NACH DEM KONZERT. UND WAS Dir Das SAGEN WILL.